Source-First vs. Topic-First: zwei Wege der Marktbeobachtung

Von Dr. Karsten Richter | Letzte Aktualisierung:

Kurz gesagt

Topic-First legt ein Thema fest und durchsucht damit das ganze Netz — wer spricht, ergibt sich erst hinterher. Source-First legt die Quellen fest und nimmt jedes Thema mit, über das diese sprechen. Beide Ansätze sind eng — nur an unterschiedlicher Stelle: Topic-First ist offen in der Auswahl und eng im Thema, Source-First eng in der Auswahl und offen im Thema.

Warum das kein Detail ist

Wer ein Werkzeug zur Marktbeobachtung auswählt, vergleicht meist Funktionen: Welche Kanäle, welche Auswertungen, welcher Preis. Der Unterschied, der am Ende über den Nutzen entscheidet, liegt aber eine Ebene tiefer — in der Frage, wonach überhaupt gefiltert wird.

Diese Entscheidung fällt, bevor die erste Meldung eintrifft, und sie bestimmt, was ihr systematisch nie sehen werdet. Kein Funktionsvergleich holt das wieder ein.

Die beiden Ansätze nebeneinander

Beide arbeiten mit denselben Bausteinen: Es gibt Sprecher, und es gibt das, was sie äußern. Nur die Auswahl-Logik unterscheidet sich — und damit, was am Ende auf dem Tisch liegt.

Zwei Auswahl-Logiken aus denselben Signal-Elementen: Topic-First trifft ein Thema über das ganze Netz — wer spricht, ergibt sich erst hinterher. Source-First nimmt wenige gewählte Quellen, dafür alles, was sie über ihre Kanäle sagen. Beide sind eng, nur an einer anderen Stelle.
Topic-First Source-First
Kernfrage „Wo taucht mein Thema auf?“ „Was sagen die, auf die es ankommt?“
Art der Wahrheit Erwähnung Originalaussage
Auswahl offen — jeder Absender kann auftauchen eng — ihr bestimmt die Quellen
Themenraum geschlossen — nur das definierte Thema offen — alles, was die Quelle sagt
Typischer Ort Suchindex, Erwähnungs-Feeds Kanäle der Quelle
Die Pointe Offen in der Auswahl, eng im Thema. Eng in der Auswahl, offen im Thema.

Was Topic-First besser kann

Topic-First hat eine Stärke, die Source-First strukturell fehlt: Es findet Absender, die ihr nicht kennt. Ein Start-up, das seit sechs Wochen existiert und euch bereits mit eurem eigenen Vokabular angreift, taucht bei einem quellenbasierten Ansatz nicht auf — schlicht weil niemand es in die Liste eingetragen hat.

Wo Topic-First deshalb überlegen ist:

  • Ein Fachbegriff oder eine Regulierung soll marktweit verfolgt werden, unabhängig davon, wer sie aufgreift.
  • Ihr wollt wissen, ob euer eigener Produktname irgendwo im Netz genannt wird.
  • Der Markt ist stark fragmentiert und die relevanten Absender wechseln schnell.

Wer diese Fragen hat, ist mit klassischem Keyword- und Erwähnungs-Monitoring besser bedient als mit Picasi. Das ist keine Bescheidenheitsfloskel, sondern eine Aussage über die Struktur des Ansatzes.

Was Source-First besser kann

Der Vorteil liegt spiegelbildlich: Ihr erfahrt auch das, wonach ihr nie gesucht hättet. Wenn ein beobachteter Wettbewerber plötzlich über ein Thema spricht, das bisher in keinem eurer Suchbegriffe vorkam, sieht ein themenbasiertes Werkzeug nichts — die Meldung passt in kein Raster. Ein quellenbasiertes zeigt sie, weil die Quelle gesetzt ist und nicht das Thema.

Genau das sind die teuren Momente in der Marktbeobachtung. Ein Positionswechsel kündigt sich selten mit den Begriffen an, mit denen man bisher gesucht hat. Er kündigt sich damit an, dass jemand anfängt, anders zu reden. Ich habe das in Gesprächen mit CMOs oft genug gehört, um es ernst zu nehmen: Die Weichenstellung kam nie über den Suchbegriff, sondern darüber, dass jemand genau diese eine Quelle im Blick behielt, als sie plötzlich in einem anderen Ton sprach.

Dazu kommt die Zuverlässigkeit der Zuordnung. Bei Topic-First muss nach dem Treffer erst geklärt werden, wer da eigentlich spricht und ob es zählt. Bei Source-First ist das vorher entschieden — was ankommt, kommt von jemandem, den ihr bewusst gewählt habt. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Signal statt Rauschen.

Der Preis, den Source-First zahlt

Er steht schon oben, verdient aber einen eigenen Absatz, weil er in Anbietertexten üblicherweise fehlt: Source-First ist blind für alle, die nicht auf der Liste stehen. Die Qualität des Ergebnisses hängt vollständig an der Qualität der Quellenauswahl. Eine schlecht gepflegte Liste liefert zuverlässig ein falsches Bild vom Markt — und zwar ein sehr aufgeräumtes, was es schlimmer macht als offensichtliches Rauschen.

Praktisch heißt das: Die Quellenliste ist kein Einrichtungsschritt, sondern ein wiederkehrender. Wer sie einmal anlegt und drei Jahre nicht ansieht, betreibt Marktbeobachtung von vorgestern.

Wann welcher Ansatz

Eine brauchbare Faustregel: Könnt ihr die Marktteilnehmer benennen, auf die es ankommt?

Wenn ja — fünf, zehn, zwanzig Namen, die euer Team ohne Nachdenken aufzählen kann — dann ist die Quellenauswahl kein Problem, sondern euer Wissensvorsprung. Source-First macht daraus systematische Beobachtung.

Wenn nein, weil euer Markt aus hunderten austauschbaren Anbietern besteht oder sich zu schnell dreht, dann ist Topic-First der ehrlichere Weg. Ihr nehmt dafür in Kauf, dass ihr Erwähnungen bekommt statt Originalaussagen, und dass die Einordnung Arbeit bleibt.

Und für viele Teams lautet die richtige Antwort: beides, mit klarer Rollenteilung. Source-First für die benennbaren Marktteilnehmer, Topic-First als Netz für alles, was von außerhalb dieser Liste kommt.

Welche Unvollständigkeit ihr euch leisten wollt

Die Wahl zwischen Topic-First und Source-First ist keine Frage von besser oder schlechter, sondern davon, welche Unvollständigkeit ihr euch leisten wollt. Topic-First verzichtet auf Tiefe je Absender, Source-First auf Breite über unbekannte Absender. Wer eines von beidem einsetzt, ohne die zugehörige Lücke zu kennen, hält seine Marktbeobachtung für vollständiger, als sie ist.

Picasi steht bewusst auf der Source-First-Seite — Track who, not what. Ausführlich dazu: Was ist Source-First Intelligence?

Häufig gestellte Fragen

Siehe auch